Was steckt hinter Veedelmaske.de und wie bist du auf die Idee gekommen?

Eigentlich bin ich Personalberaterin und wollte mich zum April hin selbstständig machen. Dann kam mir jedoch Corona in die Quere. Denn einen wirklichen Markt für Headhunter gibt es aktuell nicht. Dafür aber für Stoffmasken. Und so hatte ich zunächst die romantische Idee, selbst Stoffmasken zu nähen und online zu vertreiben. Nachdem meine eigenen Nähversuche aber kläglich scheiterten, bin ich auf jene zugegangen, die nähen können: Änderungsschneider*innen in Köln. Anfang April hatten diese durch die geschlossenen Läden und die Kontaktsperren von heute auf morgen keine Arbeit mehr und mussten um ihre Existenz bangen. Innerhalb von einer Woche haben wir die ersten Stoffe bei eBay Kleinanzeigen zusammengesucht, die ersten Masken-Modelle genäht, der Onlineshop war eingerichtet, das Gewerbe angemeldet und es konnte losgehen. Wir haben das Geschäft der Schneider quasi „online“ weitergeführt und die ersten Masken unter dem Label „Veedelmaske“ angeboten.

Ein sehr solidarischer Ansatz, der nicht viel mit deinem eigentlichen Plan der Personalvermittlung zu tun hat, oder?

Genau. Aber ähnlich wie bei der guten Personalvermittlung profitieren am Ende alle davon: Die Änderungsschneider können ihre Miete weiterbezahlen, Menschen haben die Möglichkeit, regional hergestellte, schöne Stoffmasken zu beziehen – und ich habe das Gefühl, durch meine Arbeit einen sinnvollen Beitrag zu leisten.

Die neue Maskenpflicht kommt da quasi gerade recht.

Ja, aber damit habe ich ehrlich gesagt vor etwa fünf Wochen noch nicht gerechnet. Ich selbst bin schon viel durch Asien gereist und habe es dort immer als respektvoll und solidarisch empfunden, wenn Menschen eine Maske aufsetzen, um andere vor ihren eigenen Krankheitserregern zu schützen. Genau diesen solidarischen Ansatz wollte ich in Deutschland etablieren.

Können sich denn auch Unternehmen an Veedelmaske wenden, wenn Sie Masken für Ihre Mitarbeiter benötigen?

Ja. Wir erstellen dann gerne ein individuelles Angebot für Stückzahlen zwischen zehn und zehntausend Masken. Außerdem nutzen wir die Plattform, um privat gespendete Masken an angewiesene Organisationen weiter zu vermitteln, inzwischen bereits über 100 Stück!

Welche Hürden hast du bei der Realisierung von „Veedelmaske“ genommen?

Der Onlinehandel ist völlig anders als das tägliche Leben von Änderungsschneider*innen: Wenn Menschen einen Artikel online bestellen, haben sie die Erwartungshaltung, dass alles genauso aussieht wie auf dem abgebildeten Foto. Änderungsschneider*innen hingegen arbeiten sehr kreativ: Jeder Kunde, der in den Laden kommt, wird individuell beraten und versorgt. Hundertmal die gleiche Stoffmaske zu nähen, ohne dass jemand „Modell steht“, ist daher schon herausfordernd. Die Erwartungshaltung der Online-Kundschaft mit der kreativen Arbeit der Schneider*innen zusammenzubringen war manchmal nicht ganz einfach.

Wie hast du das Problem gelöst?

Wir erarbeiten neue Muster und Formen nun in enger Abstimmung mit den Schneider*innen und profitieren von deren Erfahrung im kreativen Umgang mit Textilien. Das sorgt für eine bessere Qualität und schlussendlich für zufriedenere Kundinnen und Kunden.

Wer hat dir dabei geholfen, Veedelmaske.de an den Start zu bringen?

Wir haben zum Start sehr davon profitiert, dass es „Corona-Sonderkonditionen“ von Anbietern von Webshops und Buchhaltungssoftware gab. Zudem war es toll, dass es in der Medien- und Bloggerlandschaft Möglichkeiten gab, uns bekannt zu machen. Viele Tages- und Online-Zeitungen haben bereits über Veedelmaske berichtet.

Zurecht. Veedelmaske trifft den Zeitgeist und die lokale Wirtschaft profitiert.

Ja. Veedelmaske gibt es erst seit etwa Anfang April – auf die rasante Entwicklung sind wir echt stolz. Wir haben uns bereits innerhalb weniger Wochen einen Namen gemacht und konnten – nicht zuletzt durch die Einführung der Maskenpflicht – deutlich mehr Masken verkaufen, als wir uns anfangs erhofft hatten. Durch unsere Aufträge konnten wir maßgeblich dazu beigetragen, dass mehrere Schneider, die um ihre Existenz bangen mussten, ihre Miete wieder zahlen und somit ihr Geschäft weiterführen können. Und: Unsere Masken sind – gerade in Zeiten der Maskenknappheit – inzwischen nicht nur in unserem eigenen Onlineshop, sondern auch im lokalen Einzelhandel vertreten, so dass man diese auch offline beziehen kann.

(Foto: Verena Netscher/Veedelmaske)