EXECinsurtech: Dr. Manfred Janssen im Gespräch

Magazin - KölnBusiness Wirtschaftsförderung
Dr. Manfred Janssen, Geschäftsführer der KölnBusiness Wirtschaftsförderung.
© Foto: Birgitta Petershagen.

Die EXECinsurtech, eine der führenden europäischen Konferenzen mit dem Schwerpunkt technologische Innovation in der Versicherungswirtschaft, findet vom 8.-9. Juli statt. Die Veranstaltung vereint Startups und die Technologieszene mit den klassischen Akteuren der Versicherungswirtschaft.

Die EXECinsurtech findet in diesem Jahr erstmals als digitales Event online statt. Kostenlose Teilnahme-Tickets gibt es hier.

Die KölnBusiness Wirtschaftsförderung ist Haupt-Partner der EXECinsurtech. Geschäftsführer Dr. Manfred Janssen betont im Interview die Bedeutung des Standorts Köln für die Versicherungsbranche.

 

Wie engagiert sich die Stadt Köln für junge Startups im Versicherungssegment? Wie unterscheiden sich die Möglichkeiten für junge Gründer von anderen Standorten?

 

Was Köln als Gründungsstandort auszeichnet, ist die Kombination von verschiedenen Faktoren, die hervorragende Rahmenbedingungen für Startups ergeben: In Köln treffen mehr als 400 Startups sowie unzählige Gründerinnen und Gründer auf ein ausgeprägtes Ökosystem, das von über 30 Coworking Spaces, den Kölner Hochschulen, Hubs, Inkubatoren sowie spezialisierten Event-Veranstaltern zusammengehalten wird. Dieses Netzwerk ist ein entscheidender Vorteil des Startup-Standorts Köln.

Aufgrund der hohen Relevanz der Versicherungsbranche für Köln wurde im Mai 2017 das InsurLab Germany gegründet. Die Stadt Köln sowie die TH Köln, die Universität zu Köln und die IHK zu Köln finden sich unter den Gründungsmitgliedern. Mittlerweile gehören 84 Mitglieder dem Verein an. Im InsurLab werden maßgeschneiderte Lösungen für sämtliche Digitalisierungsbedarfe der deutschen Versicherungswirtschaft in Zusammenarbeit mit nationalen und internationalen Startups zu erarbeitet.

 

Was macht die Stadt Köln zu einem der relevantesten Versicherungsstandorte in ganz Europa?

 

Köln hat fast 25.000 Beschäftigte in der Versicherungswirtschaft. Damit ist Köln neben München der Top-Standort in Deutschland. Mit rund 70 Versicherungsunternehmen ist die Branche traditionell von großer Bedeutung für unseren Wirtschaftsstandort. Aufgrund der eben geschilderten Innovationskraft entsteht ein immenses Potenzial, um Köln weiter zu einem nationalen und internationalen Insurtech-Standort ausbauen.

 

Welche Erfolge hat der Standort Köln mit Hinblick auf die Ansiedlung von Versicherern/Insurtechs bereits erzielt?

 

Während der letzten Jahre haben einige renommierte Versicherungsunternehmen Niederlassungen in der Kölner Region eröffnet. Hierzu zählen Unternehmen wie Berkshire Hathaway Specialty Insurance und Aon, die erst kürzlich Köln als Deutschlandstandort wählten. Im Oktober 2019 hat zudem die Zürich Gruppe Deutschland ihre neue Rheinlandzentrale in Köln bezogen.

Die vorhandene Infrastruktur bietet große Anziehungskraft für die Branche. Nach aktueller Berechnung gibt es in Köln mehr als 30 Startups, die sich auf Produkte und Dienstleistungen mit einem starken Bezug zur Versicherungswirtschaft spezialisieren.

 

Welche Hürden kommen auf die Stadt in den nächsten Jahren zu?

 

Köln zeigt, dass die vorhandene Infrastruktur noch viele Potenziale für eine nachhaltige Entwicklung dieser Branche birgt. Jedoch können wir uns nicht ausruhen. Köln wird auch in Zukunft mit anderen europäischen Metropolen in Konkurrenz stehen, um gut ausgebildete Fachkräfte anzuziehen. Außerdem ist es wichtig, vorhandene Fachkräfte kontinuierlich weiterzuentwickeln.

 

Köln hat sich auf die Fahne geschrieben DER Innovationsstandort im Versicherungswesen zu werden. Wie soll dieses Ziel erreicht werden?

 

Köln bietet Versicherungsunternehmen aus der gesamten Welt ausgezeichnete Rahmenbedingungen für die Entwicklung und Erprobung von neuen Versicherungsprodukten und Geschäftsmodellen: Unsere Stadt ist als Versicherungszentrum international aufgestellt und mit dem InsurLab Germany haben wir die Zukunft der Branche im Blick. Die Versicherungsinstitute unserer Hochschulen sorgen für ein hochqualifiziertes Fachkräftepotenzial, das seinesgleichen sucht. Mit ausgezeichnetem Kundenzugang, einer ausgereiften Infrastruktur, hochqualifizierten Talenten sowie Vernetzungsmöglichkeiten, wie bei der EXECinsurtech, sehen wir optimale Rahmenbedingungen, um Kölns traditionelle Stärken auch in diesem Innovationsfeld auszuspielen.

 

Startups, Investoren und Konzerne werden bei der EXECinsurtech ebenfalls über Innovationen & Trends der kommenden Jahre diskutieren. Welche Erkenntnisse erhoffen Sie sich von diesem Austausch?

 

Aus der Standort-Perspektive möchten wir direkt von den Machern und Entscheidern der Versicherungsbranche erfahren, welches die wichtigsten Themen für sie sind und vor welchen aktuellen Herausforderungen die Branche steht.

 

Welche Trends sehen Sie ganz persönlich im Versicherungswesen in den kommenden 5-10 Jahren?

 

Ich denke, dass sich bei vielen Produkten der Versicherungsbranche der Fokus von der Behebung zur Vorbeugung verschieben wird. Dank Technologien wie Künstlicher Intelligenz und Big Data wird es möglich, dass wir „Schäden“ in unserem Eigentum und der Gesundheit besser erkennen können – schon bevor diese auftreten. Ein zusätzliches Feld sind Distributed-Ledger-Technologien. Diese ermöglichen den “on the fly”-Abschluss von Versicherungen, dazu gehören Modelle wie Pay-per-Use, Gig Economy oder Crowdsourcing. Aber nicht nur die technologischen Fortschritte werden die Trends definieren. Gesellschafts-, Umwelt- und Gesundheitsthemen spielen eine übergeordnete Rolle.