Neue Studie zur Kölner City: Sinkende Zufriedenheit aber auch positive Trends

Die Kölner Innenstadt bleibt ein lebendiger Anziehungspunkt, doch aus Sicht der Besucher*innen gibt es deutlichen Handlungsbedarf – vor allem in den Bereichen Sauberkeit, Aufenthaltsqualität und Erreichbarkeit mit dem Auto. Das zeigt die aktuelle Befragung von Passant*innen „Vitale Innenstädte 2024“, die von der KölnBusiness Wirtschaftsförderung und der Industrie- und Handelskammer zu Köln beauftragt und vom IFH Köln durchgeführt wurde. Trotz der Kritikpunkte gibt es aber auch positive Trends bei der Häufigkeit und Dauer der Besuche.


Überblick

  • Sinkende Gesamtnote: Die Attraktivität der Kölner Innenstadt wurde kritischer als in den Vorjahren bewertet
  • Gesamtambiente, vor allem Sauberkeit sowie Erreichbarkeit mit dem Auto bleiben größte Baustellen
  • Gute Noten für Gastronomie, Kultur und Lebendigkeit zeigen Potenziale

Im Rahmen der Erhebung „Vitale Innenstädte 2024“ wurden im September und Oktober 2024 rund 2.000 Menschen an 13 zentralen Punkten der Kölner Innenstadt befragt, darunter Hohe Straße, Schildergasse und Neumarkt. 


Ziel war es, ein umfassendes Bild darüber zu gewinnen, wie Besucher*innen die Innenstadt wahrnehmen, wie lange sie verweilen und welche Bereiche sie als verbesserungswürdig empfinden. Die Untersuchung ist Teil einer deutschlandweiten Studie, die das IFH Köln in 107 Städten durchgeführt hat. KölnBusiness ließ die Befragung bereits 2022 und 2020 in Köln durchführen.

 

Gesamtnote „befriedigend“

 

Die Kölner Innenstadt erhielt in der aktuellen Befragung die Gesamtnote 3,0. Im Vergleich zu den Vorjahren zeigt sich ein Abwärtstrend: 2022 lag die Note noch bei 2,4, im Jahr 2020 bei 2,3. 

Damit liegt Köln dieses Mal unter dem Durchschnitt der insgesamt zwölf untersuchten Großstädte mit mehr als 500.000 Einwohnern (Note 2,5). Neben Köln wurden unter anderem Umfragen in Leipzig, Essen und Stuttgart durchgeführt. 

 

Kritikpunkte der Passant*innen

Die negativsten Noten gab es in folgenden Bereichen:

  • Parksituation (3,9) – schlechter als 2022 (3,3) und 2020 (3,5).
  • Autofreundlichkeit (3,8) – niedriger bewertet als 2022 (3,2) und 2020 (2,8).
  • Sauberkeit (3,7) – die Bewertung sank weiter von 3,0 in 2022 und 2,9 in 2020.
  • Grünflächen und Stadtbegrünung (3,5) – ein Rückgang gegenüber 2022 (3,2); für 2020 liegen keine Vergleichswerte vor.
  • Wege, Plätze und Verweilmöglichkeiten (3,4) – ebenfalls schlechter als 2022 (2,9) und 2020 (2,9).

Bei der Bewertung der Parksituation und Autofreundlichkeit ist zu bedenken, dass auch temporäre Faktoren wie Einschränkungen durch Baustellen und Veranstaltungen zu negativen Bewertungen geführt haben können.


Darüber hinaus vergaben die Befragten auch bei den Themen Aufenthaltsqualität und Sicherheit schlechtere Noten als noch in den Vorjahren. Nach konkreten Verbesserungen gefragt, wünschen sich viele für die Fußgängerzonen vor allem bessere Sanitäreinrichtungen, mehr Grün sowie Maßnahmen gegen Leerstände.
 

Die Leerstände, vor allem auf der Hohe Straße, sind dabei kein Zeichen mangelnder Nachfrage. Im Gegenteil: Hohe Straße und Schildergasse liegen regelmäßig in den Top Ten der meistbesuchten deutschen Einkaufsstraßen. Die Nachfrage unter Gewerbetreibenden ist ebenfalls hoch. Leerstände ergeben sich aber oft durch langwierige Genehmigungs-, Umnutzungs- und Bauprozesse, auch bedingt durch kleinteilige Eigentümerstrukturen.

 

Positivste Bewertungen in der Umfrage


Trotz der kritischen Bewertungen einerseits, wird die Kölner Innenstadt andererseits in einigen Kategorien weiter mit gut bewertet – wenngleich die Noten auch hier schlechter geworden sind. Die besten Noten vergaben die Besucher*innen in diesen Bereichen:

  • Lebendigkeit und Vitalität (2,3) – 2022 (1,9), 2020 (2,1)
  • Gastronomisches Angebot (2,3) – 2022 (2,0), 2020 (2,1)
  • Kulturangebot (2,3) – 2022 (2,0), 2020 (2,1)
  • Veranstaltungen (2,3) – 2022 (2,1), 2020 (2,3)
  • Touristische Attraktivität und Sehenswürdigkeiten (2,4) – 2022 (2,0), 2020 (1,9)
     

Dennoch liegt Köln auch in diesen Bereichen unter den durchschnittlichen Bewertungen der Vergleichsstädte seiner Kategorie.

 

Positive Trends bieten Wachstumschancen


Immer mehr Menschen besuchen die City häufiger und bleiben länger. Auch die Zahl der Geschäfte, die sie pro Aufenthalt besuchen, nimmt zu. Die Anbindung an den öffentlichen Nahverkehr bleibt eine Stärke: 65,2 Prozent der Besucher*innen nutzen Bus und Bahn, was über dem Durchschnitt vergleichbarer Städte liegt.


Neben dem Einkaufen entdecken viele Besucher*innen die Innenstadt zunehmend auch als Ort zum Verweilen und für Freizeitaktivitäten. Die Bedeutung des reinen Shoppings nimmt weiter ab – eine Folge des zunehmenden Online-Shoppings. 


„Jetzt sind alle Akteure in der Kölner City gefragt“
 

KölnBusiness-Geschäftsführer, Dr. Manfred Janssen, stellte die Ergebnisse der Studie Vitale Innenstädte auf einem Innenstadtforum der Wirtschaftsförderung vor, bei der diese auch diskutiert wurden.


„Die Passantinnen und Passanten zeigen uns noch einmal unmissverständlich auf, wo sie Handlungsbedarf sehen – bei Ambiente, Sauberkeit und Sicherheit muss im öffentlichen Raum mehr getan werden. Gleichzeitig befindet sich die City mitten im Wandel. Das sehen wir am Handel, der weniger gefragt ist und durch andere Angebote ersetzt wird. Und wir sehen es an Investitionen in Immobilien, die insbesondere auf der Hohe Straße noch länger für Baustellen sorgen werden. Dieser Wandel geschieht nicht von heute auf morgen. Daher sind alle Akteure in der Kölner City gefragt, gemeinsam an Lösungen und neuen Impulsen zu arbeiten. Mit unserem Team und speziell dem Citymanagement unterstützen wir diesen Prozess mit Veranstaltungsformaten und Förderungen aktiv“, sagt Dr. Manfred Janssen, Geschäftsführer der KölnBusiness Wirtschaftsförderung.
 

„Die Kölner Innenstadt liegt uns sehr am Herzen. Es ist daher erfreulich, dass wir wieder mehr Besucherinnen und Besucher in der Stadt willkommen heißen können. Gleichwohl zeigen die Ergebnisse der Befragung, dass unsere Stadt weiter an Attraktivität verliert. Die Herausforderungen sind bekannt – Sauberkeit, Sicherheitsbedenken, Erreichbarkeit und die Aufenthaltsqualität. Die IHK Köln steht im Dialog mit vielen ihrer Mitgliedern und bringt ihre Erfahrungen in die Prozesse der Entwicklung und Aufwertung der Innenstadt ein. Alle Akteure in der Stadt sind gemeinsam gefordert anzupacken, damit die Innenstadt weiterhin ein lebendiger und attraktiver Ort bleibt und wieder ein Magnet für die Menschen wird“, sagt Dr. Kristel Degener, Leiterin des Geschäftsbereichs Wirtschaft & Politik bei der IHK Köln.


Über die KölnBusiness Wirtschaftsförderung

Die KölnBusiness Wirtschaftsförderung ist eine Tochtergesellschaft der Stadt Köln. Sie ist erste Ansprechpartnerin für alle Unternehmen sowie Gründer*innen in der Stadt und gibt Orientierung, wenn es um Verwaltung und Regelungen geht. KölnBusiness vernetzt, informiert und vermittelt in allen wirtschafts- und verwaltungsrelevanten Fragen.