Ressourceneffizienz im Unternehmen: So gelingt der Einstieg

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Vier Unternehmen – vier ganz unterschiedliche Motivationen und Herangehensweisen beim Thema Ressourceneffizienz. Wie ihr Einstieg gelungen ist, haben vier Unternehmer*innen bei der Online-Reihe "Frühstücksgespräch Ressourceneffizienz" berichtet. Sie fand im April und Mai 2021 in Partnerschaft mit der Effizienz-Agentur NRW (EFA) statt.

 

Diese Unternehmer*innen waren bei der Reihe "Frühstücksgespräch Ressourceneffizienz" dabei:

  • Steffen Potratz-Heller, Brauerei Heller GmbH, Köln
  • Carolin Havekamp, KHK GmbH, Hürth
  • Dominik Limbach, Maurerfreund GmbH
  • Carina Frings, Cadios GmbH, Köln

 

Für Steffen Potratz-Heller, Prokurist und Biersommelier der Brauerei Heller GmbH, Köln, kam der Wunsch nach Veränderung des Unternehmens auch aus dem privaten Bereich, in dem Nachhaltigkeit schon eine große Rolle spielte. Er und Anna Heller haben die 30 Jahre alte Kölner Brauerei Heller einem ressourcenschonenden Wandel unterzogen. Angefangen hatten sie mit kleinen Schritten, wie zum Beispiel mit der Umstellung der Energieversorgung auf Naturstrom und -gas.

 

Produktentwicklung als Ausgangspunkt

 

Das mittelständische Unternehmen Maurerfreund GmbH aus Wuppertal stellt Werkzeuge für Maurer und andere Bauhandwerker her. Für Geschäftsführer Dominik Limbach bedeutet die ressourcenschonendere Produktentwicklung von qualitativ hochwertigen Kellen und anderen Werkzeugen eine Chance, sich im hart umkämpften Markt gegenüber der Konkurrenz abzusetzen. Kreativität sei an allen Stellen gefragt, sagt er. Sein Fokus richtete sich daher anfangs auf die Produktentwicklung.

Caroline Haverkamp ist Leiterin des Bereiches Private Label und Prokuristin der Kölner KHK GmbH, die als familiengeführtes Unternehmen mit 40 Mitarbeitern Lippenpflege-Produkte herstellt. Die KHK habe beim Start sehr von einer umfangreichen Statusanalyse profitiert, die 2016 erfolgt sei. Was sind die Ausgangsrohstoffe, was fließt durchs Unternehmen, was kommt am Ende raus, was sind Ausschüsse? „Wir haben ein großes Schema gezeichnet und dann die Stellschrauben rausgesucht, an denen wir drehen können“, sagt Caroline Haverkamp. Schwierig sei dabei gewesen, dass es wenige Vergleichsdaten gab, so dass man pragmatisch auf andere Bereiche der Fettproduktion zurückgreifen musste.

Das ganz große Bild bei der nachhaltigen Produktgestaltung hat Carina Frings, Co-Gründerin der Cadios GmbH von Anfang an im Blick gehabt, als sie ihr Startup gründete. Als Absolventin der Ecosign Akademie für Gestaltung in Köln hatte sie bereits Erfolg mit dem von ihr entworfenen Mehrweg-Deckel UDO, der fast alle haushaltsüblichen Becher und Gläser zum To Go- Becher werden lässt. Motiviert von mehreren Auszeichnungen machte sich die Designerin selbständig, produziert und vertreibt ihre Erfindung im eigenen Unternehmen. „Nachhaltigkeit bedeutet für mich auch, mich über meine Erfahrungen mit anderen Startups auszutauschen. Konkurrenzdenken hilft uns nicht weiter, wenn wir wirklich etwas bewegen wollen“, sagt Carina Frings. 

 

Mit Partnern Schritt für Schritt zum Erfolg

 

Ob mit kleinem Fokus oder ganzheitlichen Ansatz – alle Unternehmer berichten, dass sie ihre ersten Ansätze mit Hilfe von Sparringspartnern weiterentwickeln. Darunter die Effizienz-Agentur NRW (EFA), Partnerin der Veranstalterin, sowie Hochschulen und Förderprogramme.

So kooperiert Maurerfreund bei der Produktentwicklung beispielsweise mit dem Lehrstuhl der Universität Wuppertal. Die KHK hat positive Erfahrungen mit TH Köln bei der Erstellung des Nachhaltigkeitsberichtes gemacht.

Ein anderes erfolgreiches Beispiel ist die Teilnahme der Heller Brauerei am Förderprojekt Ökoprofit der Stadt Köln. Dem Familienbetrieb ist es mit Hilfe der städtischen Unterstützung gelungen, die Themen Nachhaltigkeit und Ressourceneffizienz noch stärker umzusetzen. Das Unternehmen hat die Fassabfüllanlage umgebaut, das Dach begrünt, Abläufe in der Verwaltung digitalisiert und vieles mehr.

Ein ähnliches Bild zeigt sich bei KHK und Maurerfreund. Auch hier durchdringt das Thema Ressourceneffizienz immer mehr Unternehmensbereiche: darunter die Produktion von Verpackungsmaterialien, Lagerungen, Energienutzung. Selbst die Fahrtwege der Mitarbeiter wurden von der KHK analysiert und mit Hilfe von Homeoffice-Regelungen und anderen Ansätzen optimiert.

Der Erfolg ist für alle spürbar: Beide Unternehmen verzeichnen viele positive Reaktionen auf die neuen Produkte, neue Kundengruppen und damit eine erhöhte Konkurrenzfähigkeit.

Und auch bei der Cadios GmbH gibt es gute Neuigkeiten: Erst kürzlich ist es dem Startup-Unternehmen gelungen, in der bekannten TV-Gründer-Show „Die Höhle der Löwen“ die Zusage von einem der „Löwen“, Ralf Dümmel, für ein Investment von 100.000 Euro zu erhalten.

 

Ressourceneffizienz für ein gutes Betriebsklima

 

Neben allen wirtschaftlichen und umweltschonenden Vorteilen sind sich alle Unternehmer einig, dass der Anpack mehr ist als nur Betriebswirtschaft: Wenn das Unternehmen es schaffe, alle Mitarbeiter mitzunehmen, könne sich der Wandel auch positiv auf das Betriebsklima auswirken.

Carolin Haverkamp sagt: „Wir wollen Ressourceneffizienz nicht nur auf dem Papier stehen haben, sondern im Alltag leben“. Auch wenn dies ein Lernprozess sei, habe man bereits ein neues Bewusstsein bei allen geschaffen.  Auch Steffen Potratz-Heller ist sehr zufrieden. Er bezeichnet den emotionalen Faktor im Unternehmen als größten Effekt. Alle 14 Mitarbeiter hätten sich gemeinsam dem neuen Ziel verschrieben – das sei ein schönes Gefühl.

Dominik Limbach weist darauf hin, dass der Erfolg der ressourceneffizienten Umgestaltung nicht zwangsläufig nur für große Unternehmen machbar sei. Im Gegenteil: „Wir haben kein Nachhaltigkeitsteam bei uns, aber dafür ist das allgemeine Bewusstsein für das Thema bei uns noch größer geworden.“ 

 

Ansprechpartner zum Thema Ressourceneffizienz

 

KölnBusiness

Max Thien kümmert sich bei KölnBusiness um die Themen Nachhaltigkeit und Klimaneutralität. In verschiedenen Bereichen wie Industrie, Energie oder Mobilität unterstützt er die Akteure des Wirtschaftsraumes auf dem Weg zur Klimaneutralität. Dabei initiiert und koordiniert er Projekte und vernetzt Startups mit etablierten Unternehmen und Wissenschaftseinrichtungen.

 

EFA

Die EFA wurde 1998 auf Initiative des NRW-Umweltministeriums gegründet, um Industrie und Handwerk in Nordrhein-Westfalen Impulse für ein ressourceneffizientes Wirtschaften zu geben. Die Agentur unterstützt produzierende Unternehmen mit der Ressourceneffizienz-Beratung dabei, ihre Produkte und Prozesse noch effizienter zu gestalten und damit Kosten und Umweltbelastungen zu reduzieren. Darüber hinaus bietet sie mit der Finanzierungsberatung Unterstützung bei der Finanzierung von notwendigen Forschungs- und Entwicklungsvorhaben oder Investitionen und begleitet die Umsetzung von Maßnahmen.

Im Rahmen von Veranstaltungen, Schulungen, Workshops und Webinaren informiert die EFA über aktuelle Entwicklungen im Themenfeld. Auch initiiert und unterstützt sie zahlreiche Unternehmensnetzwerke.

Die insgesamt 32 EFA-Mitarbeiter in Duisburg sowie in den acht Regionalbüros Aachen, Bergisches Land, Bielefeld, Münster, Niederrhein, Rheinland, Siegen und Werl setzen sich dafür ein, dass Unternehmen in NRW von den Vorteilen des ressourceneffizienten Wirtschaftens profitieren.

 

 


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