Energiewende made in Köln

Deutschland soll bis 2045 klimaneutral werden. Eine Riesenaufgabe, viele Baustellen. Doch einige Lösungen sind vielleicht näher als gedacht. Eine Tour durch Köln zu denen, die an die Wende glauben und an ihr arbeiten.

Wo entscheidet sich die Zukunft der Energiewende? Für die einen bei den großen Klimakonferenzen. Für manche sind neue Gesetze am wichtigsten, und wieder andere setzen auf Flüssiggasterminals und Stromtrassen von Nord- nach Süddeutschland. Doch am Ende fällt die Entscheidung direkt vor Ort. Denn ob die Transformation hin zu einer umwelt- und klimafreundlichen Wirtschaft gelingt, hängt nicht von einer Entscheidung, einem Ort oder einer Technologie ab. Sie hängt davon ab, dass Menschen in den Städten vorangehen. Und wer durch Köln reist, trifft viele davon.

 

Atlas Copco Energas

Der Industriekonzern mit schwedischen Wurzeln ist im Energiesektor omnipräsent. In Kraftwerken, Pipelines, bei der Wasserstoffproduktion, der Energie- und der CO2-Speicherung: Überall ist Atlas Copco Energas beteiligt. Im Kölner Süden sitzt der Unternehmensteil, der sich auf Kompressortechnik fokussiert.

Geleitet wird der Standort von Geschäftsführer Daniel Springmann. Er listet auf, wo Atlas-Copco-Technologie zum Klimaschutz beiträgt: „Unsere Kompressoren und Expansionsturbinen werden traditionell in der Herstellung von Industriegasen eingesetzt. Sie finden aber auch mehr und mehr Anwendung im Bereich der Energie- und Wärmewende, also bei der Dekarbonisierung. Wir sprechen hier von industriellen Wärmepumpen oder Anlagen zur CO2-Speicherung.” Auch beim Transport von flüssigem Wasserstoff zwischen Australien und Japan würden die Kompressoren des Unternehmens helfen, so Springmann. Zu den Kunden des Unternehmens zählen alle, die in der Prozessindustrie und Energiewirtschaft einen Namen haben, darunter Linde Gas, Shell, BASF oder Samsung. Sie wenden sich an Atlas Copco, weil sie dort eine individuelle Lösung bekommen.

Facts & Figures

Atlas Copco Energas GmbH

Mitarbeiter*innen Köln: 600

Mitarbeiter*innen gesamt: 45.000

Umsatz: rund 12 Milliarden Euro (2022)

 

Engie Deutschland

Hier empfängt uns Stefan Schwan, Leiter des Bereichs Energy & Facility Solutions. Das Unternehmen ist so etwas wie ein Generalunternehmer in der Energiewende, der Firmen Komplettlösungen anbietet, von der Industriewärmepumpe bis zur E-Ladesäule.

ENGIE Deutschland gehört zum französischen ENGIE-Konzern. In Köln arbeiten 350 Angestellte für das Unternehmen. Sie helfen Großkunden dabei, die Transformation hin zur CO2-Neutralität abzuwickeln, etwa dem Chemieriesen Bayer. „Wir erstellen vollständige Transformationspläne, inklusive der nötigen Investitionen und der erwarteten Returns”, erklärt Schwan. ENGIE baut dann auch die notwendigen Anlagen, etwa Kältemaschinen und Großwärmepumpen, und geht dafür mit Investitionen in Vorleistung. „Das machen wir, weil die Prozesse für die Kunden selbst oft zu komplex sind”, erläutert der Bereichsleiter. Auch angrenzende Themen wie der Aufbau einer Ladeinfrastruktur für E-Autos übernimmt das Unternehmen. Für die Kunden sei das ein attraktives Modell, die Einsparungen würden durch ENGIE garantiert. Entsprechend gefragt sind die Dienstleistungen.

Davon profitiert auch der Standort Köln, wie aktuelle Zahlen belegen. Die Energie- und Umweltwirtschaft am Rhein wird immer wichtiger. Mehr als 12.000 Menschen arbeiteten Stand 2022 in dieser Branche, das ist ein Plus von gut 15 Prozent im Vergleich zu 2008. Auch der steuerbare Umsatz wuchs allein zwischen 2009 und 2019 um 11,5 Prozent. Bessere Werte erzielten lediglich das Handwerk und der Chemiesektor.

Facts & Figures

ENGIE Deutschland GmbH

Mitarbeiter*innen Köln: 350

Mitarbeiter*innen gesamt: 4.650

Umsatz: 1,6 Milliarden Euro (2022)

 

Next Kraftwerke

Das 2009 gegründete Kölner Unternehmen ist mittlerweile einer der größten Stromdirektvermarkter Deutschlands. Es bricht die Energiewende für die vielen kleinen Firmen vor Ort herunter – über virtuelle Kraftwerke.

Mark Lindenberg ist Chief Sales Officer und Managing Director von Next Kraftwerke. Seine Vision: immer mehr erneuerbaren Strom in den Markt integrieren. Wie das Unternehmen dabei vorgeht, erklärt er so: „Über eine Kommunikationsschnittstelle vernetzen wir die vielen kleinen und mittelgroßen Energieerzeuger in Deutschland miteinander. Dabei geht es nicht um Privatpersonen, sondern zum Beispiel um Biogasanlagen und kleinere Unternehmen mit Fotovoltaikanlagen auf dem Dach. So erreichen wir mit vielen kleinen Anlagen die Power eines Großkraftwerks.” „Virtuelles Kraftwerk” lautet der Fachbegriff für dieses Modell. Es vernetzt Tausende Stromproduzenten und -verbraucher digital und bündelt so deren Leistung. Mittlerweile betreibt Next Kraftwerke eines der größten virtuellen Kraftwerke Europas. Den erzeugten Strom verkauft das Startup entweder an der Börse oder direkt an Großverbraucher.

Facts & Figures

Next Kraftwerke GmbH

Mitarbeiter*innen: 343

Umsatz: 680 Millionen Euro (2019)

 


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