Logistik, so effizient und sauber wie möglich

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© Bild: Adobe/VectorMine

Die KölnBusiness Wirtschaftsförderung hat ihre neue Webcast Reihe – die Expert Sessions – mit dem Thema „New Relations“ fortgesetzt. Dabei ging es um die Lehren aus Corona für die Stabilität von Lieferketten, aber auch um neue Trends und Entwicklungen, die unabhängig von der Pandemie sichtbar werden. In diesem dritten Beitrag zu „New Relations“ stellen wir einige Best Practices vor.

Hat die Corona-Pandemie das Thema Nachhaltigkeit in den Hintergrund gedrängt? Diese Frage stellt sich derzeit häufig. Doch die Expert Session zum Thema Lieferketten hat gezeigt: Nachhaltigkeit bleibt ein Topthema. Und das andere große Buzzword unserer Zeit ist damit enger verbunden als gedacht: Digitalisierung.

Vier Beispiele für moderne Logistik-Konzepte aus Köln

Etablierte Unternehmen und junge Startups sind oft gleichermaßen kreativ, wenn es um zeitgemäße Gestaltung von Lieferketten und Logistik geht. Und zeitgemäß heißt vor allem: effizient, energiesparend, ressourcenschonend, leise. Zwei Beispiele zeigen, dass die intelligente Kombination verschiedener Verkehrsträger dafür ideal sein kann.

Niehler Hafen: Verkehrsträger effizient nutzen

Oliver Haas, der bei der CTS Container Terminal GmbH für die Unternehmensentwicklung zuständig ist, stellte in der Expert Session das integrierte Konzept im Niehler Hafen vor. Bahn, Schiff und Lkw werden so eingesetzt, dass ihre Vorteile optimal zur Geltung kommen. Kernthema dabei sind die Kapazitäten. Während ein Binnenschiff bis zu 550 20-Fuß-Standardcontainer transportieren könne, seien es auf einem Güterzug nur noch maximal 100 – und auf einem Lkw allenfalls zwei. Es bräuchte also 275 Lastwagen, um die Güter eines einzigen großen Binnenschiffes zu bewegen. Zumindest für die Langstrecke ist das Binnenschiff also klar im Vorteil. Und das gilt auch für die Klimabilanz, denn dem Kohlendioxid-Ausstoß von 32 Gramm pro Tonnenkilometer eines Fluss-Frachtschiffes stehen 103 Gramm Kohlendioxid-Ausstoß eines Lkw gegenüber. Der Güterzug kommt sogar nur auf 19 Gramm pro Tonnenkilometer. Die CTS hat deshalb in den vergangenen Jahren ihre Bahnanbindungen deutlich ausgebaut.

Spedition MBS: Weltweit nachhaltig handeln

„Intermodal“, wie Logistiker sagen, ist auch das Konzept der Spedition MBS, das Maximilian Peters in der Expert Session vorstellte. Vor allem Seefracht, Straße und Luftverbindungen spielen bei dem Kölner Unternehmen eine Rolle. Nachhaltige Logistik sei auch und gerade bei einem weltweit agierenden Spediteur enorm wichtig, erklärte Peters. Wie viel Potenzial darin noch steckt, zeigt eine einzige Zahl: In Europa gehen 1,62 Milliarden Tonnen CO2-Ausstoß allein auf den Lkw-Verkehr zurück. Das entspricht etwa der zweifachen Menge der deutschen Treibhausgasemissionen insgesamt. Und ein Viertel dieser 1,62 Milliarden Tonnen wird durch Leerfahrten verursacht. MBS will sie durch intelligentes Management reduzieren und für jeden Abschnitt der Lieferkette das effizienteste Transportmittel einsetzen. Dafür nutzt das Unternehmen „innovative Planungstools“, die unnötige Transporte vermeiden helfen, sagte Peters.

MBS ist vor allem in Asien sehr aktiv. Gerade dort sei das Bewusstsein für Umwelt- und Klimaschutz stark gestiegen, deshalb sei die große Mehrheit der Konsumenten in Ländern wie China, Malaysia oder Singapur bereit, für nachhaltige Logistik höhere Preise zu bezahlen. Der wachsende Anteil des e-commerce am weltweiten Handel macht hier neue Konzepte notwendig.

Startups etablieren innovative Lösungen für die „letzte Meile“

Bis heute nutzen Unternehmen für den letzten Abschnitt der Lieferkette hin zum Einzelhandel beziehungsweise zum Endverbraucher meist Lkws. Alternativen hierzu kommen derzeit vor allem von Startups. Zwei Beispiele dafür: Die MyDaylivery GmbH und die Velocarrier GmbH.

MyDaylivery ist als Lieferdienst auf der Langstrecke gestartet und verfügt heute über ein bundesweites Transport- und Kuriernetzwerk mit mehr als 1.000 Fahrzeugen. „Inzwischen konzentrieren wir uns aber verstärkt auf die letzte Meile“, erklärt Gründer Michael Wilmes. Das junge Unternehmen will den stationären Handel im Vergleich zum reinen Onlinehandel stärken und bietet deshalb eine „Ship-from-Store“ Lösung an: Kunden bestellen online, MyDaylivery holt die Ware im nächstgelegenen Geschäft ab und bringt sie zum Verbraucher.

„Der Onlinehandel wächst enorm, nicht erst seit Corona“, sagt Wilmes. Das erfordere eben neue Ideen für die letzte Meile. Das junge Unternehmen setzt auf diesem Abschnitt größtenteils E-Autos und E-Bikes ein, um Abgasbelastung und Verkehrsströme gleichermaßen zu reduzieren.

Das Parkhaus als Warenumschlagplatz

Dasselbe Ziel verfolgt die Velocarrier GmbH die 2015 in Tübingen mit gerade mal zwei E-Lastenrädern gestartet ist und drei Jahre später in den Transport von Tiefkühl- und Frischeprodukten für den Lebensmittelhandel auf der letzten Meile einstieg. Inzwischen ist Velocarrier in acht deutschen Städten aktiv, darunter Köln.

Das Unternehmen setzt nicht nur auf abgasfreie Lieferung, sondern will die City-Logistik insgesamt nachhaltiger und effizienter machen. Ein besonderes Konzept dafür heißt „Park-up“. Die Idee basiert darauf, dass Parkhäuser in den Randzeiten oft weitgehend leer stehen und ungenutzt bleiben. Ein Pilotprojekt hierzu startete 2019 in Stuttgart. Das Parkhaus dient als Umschlagplatz für Warenboxen, die dann mit E-Bikes zur Endstation gebracht werden.

Expert Session "New Business" am 10. Dezember

Die nächste Expert Session findet am 10. Dezember statt. Sie widmet sich mit dem Titel „New Business Models“ und den Möglichkeiten einer kompletten Neuausrichtung von Unternehmen. Weitere Informationen zum Programm und den Referent*innen finden Sie hier.

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