Digital vorausgehen – 5 Tipps für Mittelständler

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In unserer dritten Expert Session für dieses Jahr standen neue Geschäftsmodelle im Mittelpunkt. Zum Auftakt stellte Prof. Dr. Kai Buehler von der Rheinischen Fachhochschule die Ergebnisse einer aktuellen Studie vor, in der es um erfolgreiche Methoden digitaler Vorreiter geht.

Digitalisierung – nur noch ein stark abgenutztes Buzzword? Eine aktuelle Studie der Rheinischen Fachhochschule (RFH) beweist das Gegenteil: Die erfolgreichsten Unternehmen sind demnach diejenigen, die „die Stärken ihres Kerngeschäftes mit neuen, digitalen Innovationsmodellen und Arbeitsweisen verbinden“, sagt Prof. Dr. Kai Buehler, Leiter des Studiengangs Digital Business Management an der RFH.

Für die Studie wurden mehr als 50 größere Mittelständler befragt. Ein Ergebnis: Digitale Vorreiter haben im Schnitt eine um rund 20 Prozent höhere Gewinnmarge als diejenigen, die nur mit dem Strom schwimmen oder sogar noch zurückliegen. Die einfache Schlussfolgerung: „Digitalisierung lohnt sich!“ 

Doch welcher Weg führt dorthin? Auch das untersuchten die Forscher*innen. Die Hälfte der befragten Unternehmen setzte demnach auf „Intrapreneurship“, also auf hauseigenes Innovationspotenzial, und bildete beispielsweise Agile Transformation Teams. Rund ein Drittel ging noch einen Schritt weiter und schuf einen „Innovation Hub“ – etwa mithilfe von Corporate Startups, also selbstständig arbeitenden Einheiten, die aber Teil des Gesamtunternehmens sind. Strategische Beteiligungen oder Kooperationen mit externen Partnern ging knapp ein Fünftel ein, um auf diese Weise ein digitales Ökosystem zu schaffen. Fazit: Den höchsten Wertbeitrag für das Unternehmen liefert nach der RFH-Studie ein Innovation Hub.

Sinnvoll und ertragreich können aber alle drei Varianten sein. Entscheidend ist nach Ansicht von Buehler, dass die Unternehmen wichtige Empfehlungen beherzigen. Er leitet aus der Studie fünf Tipps für Mittelständler ab.

1. Digitale Innovationen nah am Kerngeschäft umsetzen

Buehler nennt dafür als Beispiel die 1. FC Köln GmbH, die sich auch an der Studie beteiligte, und deren strategische Kooperation mit einem E-Sport-Anbieter. Die Gemeinsamkeiten liegen auf der Hand: Fußball und Gaming sind auf professioneller Ebene Hochleistungssport, für den es ein großes Publikum gibt und in dem entsprechend viel Geld zu verdienen ist – und sie sind Teil der Unterhaltungsbranche.

2. Nicht auf die Innensicht, sondern auf die Kundensicht fokussieren

Buehler empfiehlt hierzu Methoden wie Design Thinking, bei denen Menschen aus unterschiedlichen Disziplinen kreativ zusammenarbeiten. Mit dem Ziel, Lösungen zu erarbeiten, die den Kundenbedürfnissen wirklich gerecht werden.

3. Durch digitale Services die Marke positiv aufladen

Gerade in der Corona-Zeit haben viele Unternehmen den Zugang zu ihren Kund*innen verloren. Digitale Services bieten die Möglichkeit, neue Distributionskanäle zu eröffnen und neue Alleinstellungsmerkmale zu schaffen. So hat laut der Studie beispielsweise ein Gebäudetechnikhersteller seine Website und seine gesamte Kommunikation gezielt am Endkunden ausgerichtet, der jetzt unter anderem einen „digitalen Kundenberater“ nutzen und Anfragen zu Produkten direkt an Elektrofachbetriebe weitersenden kann.

4. Auf Stärken fokussieren und mit smarten Services zukunftssicher werden

Digitale Zusatzangebote können echten Mehrwert für das Unternehmen generieren. Ein Beispiel dafür ist ein Sportfachhändler, der nicht mehr nur einfach Kleidung und Geräte verkauft, sondern den Kund*innen online ein komplettes „Sport-Ökosystem“ bietet, in dem sie sich als Teil einer aktiven Community fühlen. Die Nutzer*innen können sich beispielsweise Laufschuhe, passende Kleidung und noch dazu interessante Sport- und Fitness-Events in den Warenkorb legen. So hat der Händler eine Art Klubkultur mit einem Abo-Modell ähnlich wie Amazon Prime geschaffen.

5. Mindestens 30 Prozent des gesamten Investitionsbudgets für Digitalisierung aufwenden

Die „digitalen Vorreiter“ in der RFH-Studie investierten mindestens eine Million Euro pro Jahr für die digitale Entwicklung. Ein Drittel der befragten Unternehmen setzt sogar mindestens die Hälfte seines Investitionsbudgets dafür ein.

Im Video (s. Artikelanfang) können Sie sich den Teil der Expert Session mit Prof. Dr. Kai Buehler von der Rheinischen Fachhochschule noch einmal ansehen.


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