Von wegen Leerstand: Kölner Innenstadt bleibt Magnet

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Mit dem Strukturwandel im Einzelhandel wandeln sich auch die Anforderungen an Händler*innen und Innenstädte. Verödung und Leerstand heißen die Schreckensszenarien, die vor allem Klein- und Mittelstädten drohen. Die Kölner Innenstadt und die Veedel sind trotz Pandemie weiterhin attraktiv für Geschäftstreibende. Eine Analyse der KölnBusiness Wirtschaftsförderung zeigt: Die wahrgenommene Leerstandsquote ist vergleichsweise niedrig – und innovative Nutzungskonzepte wachsen.  

Laut einer Analyse von KölnBusiness betrug der wahrgenommene Leerstand in Innenstadt und Kölner Veedeln im Zeitraum Oktober bis Dezember 2021 2,5 Prozent. Die Erhebung erfasst zum Einen alle gewerblichen Erdgeschossnutzungen in der Kölner City – also die Flächen der Altstadt, der Haupteinkaufsstraßen und der Ringe zusammen. Zum Anderen sind alle wahrgenommenen Leerstände von Ladenlokalen in den Handelslagen im restlichen Stadtgebiet enthalten.  

 

Leerstand in der Kölner Innenstadt stagniert  Zahl der Einzelhändler sinkt 

 

Betrachtet man nur die Kölner City liegt die Leerstandsquote bei rund acht Prozent und damit ähnlich wie im Vorjahr. Der sichtbare Leerstand beinhaltet auch Immobilien, die zwar leer stehen, aber bereits wieder vermietet, nur noch nicht erneut genutzt werden. Hintergrund können unter anderem Renovierungsarbeiten oder Lieferengpässe beim Baumaterial sein.  

Insgesamt gab es zum Erhebungszeitpunkt 2.234 Ladenlokale in der City, wovon etwas weniger als die Hälfte durch den Einzelhandel genutzt wurden. Die Zahl der Einzelhändler*innen in der Kölner Innenstadt ist im Vergleich zum Jahr 2020 um rund 6 Prozent gesunken, die Zahl der Verkaufsflächen ging um 3 Prozent zurück.  

 

City stark frequentiert und international nachgefragt 

 

Wichtig bei der Beurteilung des Status Quo: Ein gewisser Leerstand ist grundsätzlich notwendig, um die Nachfrage auf dem Markt bedienen zu können, etwa wenn sich bereits ansässige Unternehmen in Köln vergrößern wollen oder Firmen neu ansiedeln. Gerade in den Haupteinkaufsstraßen wie Hohe Straße und Schildergasse sind Ladenlokale nach wie vor begehrt. Eine europaweite Untersuchung aus dem Dezember 2021 belegt dies: Beide Straßen gehören zu den meistfrequentierten Einkaufsstraßen Deutschlands und Europas. 

Eröffnung des Xiaomi Stores auf der Hohe Straße in der Kölner Innenstadt
2021 eröffnete Xiaomi einen Store auf der Hohe Straße in Köln
© Xiaomi
Das internationale Interesse geht nicht nur von Touristen aus, sondern ist auch von unternehmerischer Seite weiterhin hoch:  Ein Beispiel ist die Eröffnung eines Xiaomi-Store auf der Hohe Straße im September 2021. Gemeinsam mit NRW.Global Business begleitete KölnBusiness den Global Player aus China bei der Ansiedlung und half beim Kontakt mit städtischen Ämtern und bei anderen wirtschafts- und verwaltungstechnischen Fragen rund um Genehmigungen und Regelungen.  

Weitere Ansiedlungen namhafter internationaler Unternehmen, die die Attraktivität des Standorts verdeutlichen, waren 2021: Armani auf der Schildergasse mit dem Armani Exchange Shop gegenüber von P&C sowie Polo Ralph Lauren auf der Hohe Straße. Dieser neue Shop ist Teil der neuen Wachstums- und Kundenstrategie des US-Unternehmens. 

Neue Nutzungskonzepte in der Kölner Innenstadt 

 

Vor diesem Hintergrund ist Dr. Manfred Janssen, Geschäftsführer von KölnBusiness, überzeugt: „Von Verödung in der Kölner Innenstadt kann keine Rede sein. Die Corona-Pandemie hat den Strukturwandel im Einzelhandel – also den Trend hin zum Onlinegeschäft – grundsätzlich verstärkt, wodurch der lokale Einzelhandel in den Einkaufsstraßen weniger wird. Köln bleibt jedoch aufgrund neuer Nutzungskonzepte aus anderen Branchen weiterhin eine lebenswerte Stadt. Ausruhen sollten wir uns darauf nicht, sondern gemeinsam anpacken.“

Bereich mit neuen nachhaltigen Produkten im _blaenk Store
Die neuen Produkte in der Startup-Zone im _blaenk Store in der Kölner Innenstadt.
© _blaenk Store
Ein Beispiel für ein kreatives, innovatives Ladenkonzept in der Kölner Innenstadt ist der _Blaenk-Store in der Schildergasse, der mit seinem Konzept 2020 an den Start ging und seitdem Paradebeispiel für ein innovatives Retail-Konzept in Köln ist. Kund*innen können die Produkte vor Ort via QR-Code mit dem eigenen Smartphone scannen, der Onlineshop zeigt weitere Informationen an. Beim Kauf können Kund*innen die Produkte direkt mitnehmen, sich nach Hause liefern lassen oder später abholen. 

Das Geschäftskonzept bietet einerseits 1A-Lage für nachhaltige und innovative Produkte und verbindet das mit der digitalen Welt, etwa in puncto Sammlung von Marketingdaten und Shoppingerlebnis. Aktuell wird der _Blaenk-Store bereits zum 3. Mal umgebaut – das Konzept passt sich an die Bedürfnisse der Kund*innen und das Einkaufserlebnis an, das gerade gefragt ist. Das Unternehmen reagiert so kurzfristig auf Entwicklungen am Markt. Innovative Produkte stammen unter anderem von Kölner Startups, die KölnBusiness bei der Platzierung in der Kölner Innenstadt unterstützt.  

 

Kultur trifft Einzelhandel 

 

Ein weiteres Beispiel für einen neuen Nutzungsansatz in der Kölner Innenstadt stellt das Projekt „Take away. Literatur unterwegs“ dar, bei dem Schaufenster von Einzelhändler*innen für literarische Lesungen genutzt werden. Dank Audio-Live-Streaming können Passant*innen die Veranstaltung mitverfolgen.  

Bei der Initiative von KölnBusiness und dem Literaturhaus Köln geht es darum, Literatur und Kultur verstärkt in die Innenstadt zu tragen, zu den Menschen, die sich dort zum Einkaufen, Flanieren oder Arbeiten aufhalten. 

 

Moderner Nutzungsmix: Antoniterquartier 

 

Der Innenhof des Antoniterquartiers in der Kölner Innenstadt.
Das Antoniterquartier der evangelischen Kirche liegt in der Kölner Innenstadt und verbindet Wohnen, Leben, Gastronomie und Kirche in einem Komplex miteinander.
© Nikolai Benner
Dass die Kölner Innenstadt längst nicht mehr nur für Shopping steht, sondern auch immer mehr Anknüpfungspunkte für das Wohnen, Arbeiten und Leben bieten, zeigen Neubauprojekte, die ein Nutzungsmix in den Fokus nehmen und so neue Verbindungen mit dem Einzelhandelsstandort eingehen. 

Das Antoniterquartier der evangelischen Kirche, das zwischen Schildergasse, Cäcilienstraße und Renzo Pianos gläsernem Weltstadtkaufhaus liegt, hat auf ihrem rund 3.300 Quadratmeter großen Gelände ein Ensemble bauen lassen, das Gastronomie, Wohnen, Büro, Handel und Kirche zusammenbringt. Zudem sind große Flächen für Außengastronomie im Projekt umgesetzt worden. 2021 wurde das Gebäude mit dem Kölner Architekturpreis ausgezeichnet. Eine besondere Herausforderung beim Bau stellte der archäologische Fund der ältesten römischen Bibliothek dar, für dessen Erhalt, die Verantwortlichen den Bauplan vor Ort änderten. 

 

 

 

 

So fördert KölnBusiness Innenstadt und Veedel

  • Digitales Ansiedlungsmanagement: KölnBusiness baut derzeit im Rahmen des Pilotprojekts „Stadtlabore Deutschland“ ein digitales Leerstands- und Ansiedlungsmanagement auf. Es soll dabei helfen, Leerstände besser zu erfassen, zu analysieren und schneller passende Nachmieter*innen zu finden.

  • Bereits 2021 hat KölnBusiness ein kostenloses Immobilienportal für Gewerbeflächen etabliert – mit einem besonderen Service zur Kontaktvermittlung zwischen Anbietern und Suchenden.

  • Mit einem Förderprogramm unterstützt KölnBusiness zudem die Entwicklung der Veedel mit bis zu 120.000 Euro bis Ende 2023. Ein weiteres Förderprogramm über 50.000 Euro wird ab Frühjahr innovative Konzepte in den Veedeln unterstützen.

 


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