Henriette Reker: "Diversität als Chance begreifen"

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Magazin - KölnBusiness
Oberbürgermeisterin Henriette Reker
© Tilman Schenk /KölnBusiness

Seit sieben Jahren lenkt die Juristin die Geschicke der viertgrößten Stadt in Deutschland. Im Interview verrät Oberbürgermeisterin Henriette Reker, warum ihre Heimat eine gute Gastgeberin ist – und was der wichtigste Standortfaktor für die Wirtschaft ist.

 

Frau Oberbürgermeisterin, was ist für Sie als Kölnerin der stärkste Standortfaktor der Stadt?

Das ist auf jeden Fall die Haltung der Kölner*innen. Ich sage immer: In Köln findet man Freunde, auch wenn man keine sucht (lacht). Denn wir sind zu jedem offen und zugewandt und wir sind neugierig. Wenn man die Stadtgrenze überschritten hat, gehört man dazu. Seit 2.000 Jahren sind wir eine Handelsstadt, der ideale Ort für gute Geschäfte. Wir verbinden Business mit unserem Lebensgefühl. Ich glaube: Das findet man so nicht noch einmal auf der Welt.

 

Auch für diese Offenheit ist Köln von der Europäischen Kommission als „Europäische Hauptstadt der Vielfalt und Integration“ ausgezeichnet worden.

Zu Recht. Denn in Köln leben 1,1 Millionen Menschen aus 180 Nationen friedlich zusammen – diese Diversität bereichert unsere Stadt und wir sollten sie als Chance begreifen. Mir ist es ein wichtiges Anliegen, dass Köln als ein Leuchtturm für Vielfalt und Herzlichkeit wahrgenommen wird. Jeden Tag engagieren sich hier Menschen aus der Verwaltung und aus der Stadtgesellschaft gegen Diskriminierung und Ausgrenzung. Dieses Engagement endet übrigens nicht an der Stadtgrenze. Wir setzen auch auf nationaler und internationaler Ebene ein Zeichen. Beispielsweise zieht der ColognePride rund eine Million Gäste an – ein starkes Signal, das europaweit gesehen wird.

 

Wie werben Sie eigentlich im Ausland für die Wirtschaftsmetropole?

Ich war zuletzt in Brasilien und in der Türkei – auch, um Unternehmen für eine Niederlassung in Köln zu begeistern. Viele weltweit bekannte Produkte wurden hier erfunden. Das Kölnisch Wasser von Farina gehört dazu, der älteste Duft der Welt. Dieses Eau de Cologne gab einer ganzen Produktgattung den Namen unserer Stadt. Eine bessere Werbung gibt es gar nicht. Und auf Delegationsreisen ins Ausland begleiten mich oft auch weitere Produkte von hier. Ich verreise beispielsweise gerne mit einem Rimowa-Koffer oder einem Rucksack von Fond of. Beides Kölner Firmen.

 

Zur Person: 

Henriette Reker ist seit Oktober 2015 Oberbürgermeisterin der Stadt Köln. Am 27. September 2020 wurde sie wiedergewählt. Ihre Ziele: Die viertgrößte Stadt Deutschlands noch lebenswerter, klimafreundlicher, digitaler und moderner zu machen.

 

Ist neben den etablierten Marken auch Platz für Innovations- und Gründergeist in Köln?

Absolut. Unternehmen und Startups begreifen die Auswirkungen von Pandemie und Ukraine-Krieg sowie die Herausforderungen durch die Digitalisierung auch als Chance, tatkräftig Neues anzugehen. Sie gestalten den Wandel aktiv. Wir haben in Köln ein Umfeld, in dem man sich auch auf Ideen einlässt, von denen man nicht so genau weiß, ob sie erfolgreich sein werden. Dies ist eine ideale Grundlage für Innovationen. Das sieht man daran, dass jeden dritten Tag in Köln ein Startup gegründet wird.

 

Woher stammt dieses Innovationspotenzial?

Köln ist ein Industrie- und Dienstleistungsstandort, zugleich aber auch eine der innovativsten Wissenschaftsregionen in Europa. Rund 100.000 Menschen forschen und studieren hier. Mehr als 14.000 hochqualifizierte Absolventinnen und Absolventen wechseln jährlich in den Arbeitsmarkt. Köln beheimatet vier Max-Planck-Institute, zahlreiche Exzellenzcluster der Universität zu Köln sowie das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt oder die Europäische Agentur für Flugsicherheit (EASA). Wissenschaft und Wirtschaft gehören in Köln untrennbar zusammen und geben sich gegenseitig wichtige Impulse.

 

Fachkräftepotenzial ist ein wichtiger Faktor für die Wirtschaft. Neben der Arbeit ist auch die Lebensqualität relevant. Was hat Köln dahingehend zu bieten?

Unsere vielfältige Kunst- und Kulturszene ist ein wichtiger Faktor. In unseren Museen kann man fast die komplette Menschheitsgeschichte erleben – von den römischen Anfängen bis zur zeitgenössischen Kunst. Beispielsweise finden Sie im Museum Ludwig die umfangreichste Pop-Art-Kollektion Europas. Unsere Museen, die Oper, das Schauspiel, die Philharmonie, das Gürzenich-Orchester und das WDR Sinfonieorchester genauso wie die freie Kulturszene sind ein enormer Schatz.

 

Das heißt, die Stadt Köln ist auch immer eine Reise wert?

Ich möchte alle herzlich einladen, sich selbst davon zu überzeugen. Köln ist eine hervorragende Gastgeberin. Rund drei Millionen Geschäftsreisende haben die Koelnmesse vor der Pandemie besucht. Nach wie vor bietet Köln ansprechende Restaurants, Unterhaltung, Einkaufsmöglichkeiten oder Unterkünfte – ein Komplettpaket, das mit anderen Metropolen absolut mithalten kann. Das werden auch die Gäste aus der ganzen Welt erleben, die wir zur Fußball- und zur Handball-Europameisterschaft 2024 begrüßen. Ich drücke die Daumen, dass sie hier attraktive Spiele zu sehen bekommen, und verspreche ihnen ein unvergleichliches EM-Gefühl in Köln. Dazu werden unsere Stadt sowie die Kölnerinnen und Kölner ihren Anteil beitragen.

 

 

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