Cologne Masterclass: "Wir wollen Vytal zum Exportschlager machen"

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Vytal ist mit seinem kostenlosen Mehrwegsystem ohne Pfand voll auf Erfolgskurs. Im Interview erklärt Gründungsmitglied und Geschäftsführer Dr. Tim Breker, wie Vytal nachhaltigen Konsum weltweit fördern will – und gibt weitere wertvolle Tipps für den Start ins eigene Business.

 

 

Ihr wurdet von der renommierten Agentur Jung von Matt als eines der Top 50 Startups 2022 gelistet. Außerdem wurdet ihr für den Deutschen Nachhaltigkeitspreis nominiert. Was macht das mit euch?

Das ist zweifellos eine aufregende Zeit für Vytal und wir sind unglaublich stolz auf das, was wir bisher erreicht haben. Diese Anerkennungen sind eine Bestätigung dafür, dass unsere Bemühungen im Bereich Circular Packaging von der Öffentlichkeit wahrgenommen und geschätzt werden. Und eine tolle Auszeichnung für die harte Arbeit unseres Teams. Wir sind stolz darauf, dass wir unser kostenloses Mehrwegsystem ohne Pfand über die Vytal App anbieten und so das Konsumverhalten positiv verändern können. Gleichzeitig erinnert uns dieser Erfolg daran, dass wir eine große Verantwortung tragen. Wir sind uns bewusst, dass die Welt nach nachhaltigen Alternativen sucht, um die Umweltauswirkungen von Verpackungen zu minimieren und die Ressourcennutzung zu optimieren.

 

Zuletzt durftet ihr Apple-CEO Tim Cook höchstpersönlich euer Geschäftsmodell präsentieren.

Das war ein absoluter Höhepunkt für uns. Es zeigt, dass sich selbst die größten und einflussreichsten Unternehmen der Welt für unser Wissen über Kreislaufwirtschaft, unsere nachhaltigen Verpackungslösungen und unser Betriebssystem für Mehrweg interessieren.

 

Vytal setzt auf eine pfandfreie und digitale Mehrweglösung für Gastronom*innen, Händler*innen und Lieferdienste. Wie viele Einwegverpackungen konnten bislang eingespart werden?

Bis heute haben unsere B2B-Kund*innen und Nutzer*innen der Vytal App über acht Millionen Einwegverpackungen durch hochwertige und funktionale Mehrwegbehälter ersetzt.

 

Seit dem 1. Januar 2023 sind Gastronom*innen verpflichtet, Mehrweglösungen anzubieten. Wie hat sich diese Gesetzesänderung auf Euer Geschäft ausgewirkt?

Zunächst einmal ist die Mehrwegangebotspflicht absolut ein Schritt in die richtige Richtung, denn es ist ein Irrglaube, dass wir unser Müllproblem wegrecyceln können oder dass wir ohne Änderungen in den Betriebsabläufen oder im Konsumverhalten auskommen. Im Gegenteil: In den letzten zwei Dekaden ist das Aufkommen von Verpackungsmüll konstant gestiegen und hat sogar das Wachstum des Bruttoinlandsprodukts übertroffen.

Aber: Die Umsetzung der Mehrwegangebotspflicht läuft unserer Ansicht nach bisher ganz und gar nicht zufriedenstellend. Das Gesetz hat zwar dazu geführt, dass sich mehr Gastronomiebetriebe einem Mehrwegsystem wie Vytal angeschlossen haben – wir konnten die Zahl unserer Partnerbetriebe in den Monaten rund um die Gesetzesänderung verdreifachen –, insgesamt war jedoch die Aufmerksamkeit für Mehrweg in der Gastronomie nur von kurzer Dauer und auch das im Gesetz geforderte gleichwertige Angebot der Mehrweglösung findet nicht statt. In vielen Fällen haben Konsumierende immer noch nicht die bewusste Auswahl umweltschädliche Einwegbehälter durch eine Mehrweglösung zu ersetzen.

 

Und dennoch: Das Mehrwegsystem in Deutschland hat eine lange Tradition. Profitiert ihr davon?

Deutschland hat eine beeindruckende Erfolgsbilanz bei der Entwicklung und Förderung von Mehrwegsystemen. Wir sind fest davon überzeugt, dass Deutschland das fortschrittlichste Land im Bereich Mehrweg ist und das Potenzial hat, eine Vorreiterrolle bei der weltweiten Verbreitung von Mehrwegsystemen einzunehmen. Auf dieser Erfahrung und Expertise bauen wir mit unserer Mission bei Vytal auf.

 

Euer Ziel ist es, die weltweit führende Technologieplattform für Kreislaufwirtschaft und Mehrweg zu werden. Wie steuert ihr dahin?

Unsere Vision ist es, Einwegverpackungen zu reduzieren und nachhaltigen Konsum zu fördern, nicht nur hierzulande, sondern weltweit. Wir wollen Mehrweg Schritt für Schritt in die Alltagskultur integrieren. Wir sehen eine Zukunft, in der Mehrwegverpackungen nicht nur im Supermarkt, sondern auch in Kantinen, Restaurants, Cafés und bei Veranstaltungen selbstverständlich sind. Daran arbeiten wir, indem wir unser Mehrwegsystem kostenlos und pfandfrei über die Vytal App anbieten und gleichzeitig die Vorteile von smarten Mehrwegverpackungen in der breiten Öffentlichkeit bekannt machen.

 

Welche innovativen Technologien setzt ihr dafür ein?

Viele. Unsere Technologieplattform wurde von unserem hochqualifizierten Tech-Team inhouse entwickelt. Wir verwenden QR-Codes und RFID-Chips, um unsere Mehrwegverpackungen effizient zu verfolgen. Zudem setzen wir auf IoT Lösungen, um Füllstände zu überwachen, sowie auf Datenanalyse und künstliche Intelligenz, um das Verbraucherverhalten zu verstehen und nachhaltigen Konsum zu fördern. Unsere Technologie ist entscheidend für unsere Mission, wirklich nachhaltige und hocheffiziente Mehrwegsysteme zu etablieren und letztlich unseren Planeten von Einwegmüll zu befreien.

 

Neben euren Mehrwegverpackungen habt ihr nun auch eine Mehrwegtasche für den Transport im Portfolio. Worauf dürfen sich Vytal-Nutzer*innen als nächstes freuen?

Die Vytal Technologie-Plattform kann wie eine riesige dezentrale Bibliothek alle Gegenstände zum Ausleihen oder Teilen im Sinne der Sharing Economy zur Verfügung stellen. Wenn also das Lieferessen in Mehrwegbehältern kommt, warum dann nicht auch die Liefertüte nach Benutzung wieder in den Kreislauf zurück zur Gastronomie geben, um sie erneut zu verwenden? Dieses simple Prinzip der Kreislaufwirtschaft hat ein massives Einsparpotenzial für unseren Ressourcenverbrauch und wir tun gut daran, die Wiederverwendung und optimale Nutzung von Gegenständen in der Gesellschaft weiter zu forcieren. Seid gespannt: Für das nächste Jahr haben wir schon einige coole Features und Partnerschaften in petto!

 

Über eine Crowdinvesting-Kampagne habt ihr zuletzt mehr als 2,8 Millionen Euro von über 1.700 Investor*innen eingesammelt. Welche Pläne könnt ihr mit diesem Geld verwirklichen?

Die Crowdinvesting-Kampagne war ein riesiger Motivationsschub für uns. Sie hat uns gezeigt, wie viele Menschen gemeinsam mit uns an einer kreislauffähigen Wirtschaft arbeiten und das weitere Wachstum von Vytal unterstützen. In den letzten 18 Monaten haben wir nicht nur unser Partnernetzwerk verdreifacht, sondern immer mehr Partner außerhalb Deutschlands gewonnen. Auch unsere Technologie-Plattform hat einen riesigen Sprung nach vorne gemacht, so dass wir nun gemeinsam mit Tausenden von Partnern und Hunderttausenden von Konsumierenden jedes Jahr Millionen von Einwegverpackungen ersetzen.

 

Würdet ihr Crowdinvesting anderen Startups empfehlen? Wenn ja, warum?

Für uns war Crowdinvesting eine tolle Geschichte. Wir können es daher auf jeden Fall weiterempfehlen und haben das auch schon getan. So haben wir unsere Learnings bereits mit einigen anderen Unternehmen geteilt. Insbesondere Firmen mit einer großen Newsletter-, Kunden- oder Fanbasis haben beste Voraussetzungen für eine erfolgreiche Crowdinvesting-Kampagne.

 

Gab es auch Hindernisse auf Eurem Weg? Wie habt ihr die überwunden und was waren die wichtigsten Lernmomente für das Team?

Nach dem Hinfallen wiederaufzustehen ist wohl eine der wichtigsten Eigenschaften für Startup-Teams. Auch wir hatten dieses Jahr mit Herausforderungen zu kämpfen, haben unser Team verkleinert und unsere Strategie geschärft. Wichtig war für uns, gut zu kommunizieren und agil zu bleiben.

 

Habt ihr dafür einen Tipp parat?

Gerade wenn Firmen hybrid arbeiten, können Tools wie Mentimeter sehr gut helfen, Allhands Meetings interaktiv und spaßig zu machen. Kombiniert mit einem Allhands Newsletter, der die wichtigsten Inhalte schriftlich für alle zusammenfasst, werden alle wichtigen Inhalte kommuniziert, können nachgelesen werden und es entsteht eine richtig gute Meeting-Energie.

 

Ihr seid als eines von 15 Startups für die Cologne Masterclass nominiert. Am 25. Januar werdet ihr beim Matching Day vor Top-Investor*innen pitchen. Was erwartet ihr von dem Event?

Wir freuen uns auf coole Kontakte zu Investoren, Netzwerkpartnern und den anderen Startups.

 

Welche Art von Investor*innen sucht ihr?

Wir möchten mit Investierenden zusammenarbeiten, die unsere Vision teilen und mit uns daran arbeiten wollen, den Ressourcenverbrauch zu optimieren und Kreislaufwirtschaft gelebte Praxis werden zu lassen. Nachhaltigkeit bedeutet bei Vytal keinen Verzicht, im Gegenteil, dank unserer Technologieplattform schaffen wir auf B2B und B2C Seite echte Mehrwerte. Deutschland bietet mit seinen mehrwegerfahrenen Konsumentinnen und Konsumenten den attraktivsten Markt für Mehrwegangebote. Wer den Markt in Deutschland anführt, hat die besten Chancen, der dominierende Player weltweit zu werden. Wir suchen Investorinnen und Investoren, die uns auf diesem Weg begleiten und Vytal zum Exportschlager machen.

 

Ihr habt dieses Jahr auch an unserem Scaleup Program teilgenommen. Wie sehen eure Internationalisierungspläne aus? Welche Märkte wollt ihr als nächstes erschließen?

Wir verfolgen eine zweigeteilte Expansionsstrategie mit dem Ziel, die globale Community an Vytal Nutzenden zunehmend zu steigern. In großen Auslandsmärkten wie Frankreich oder Großbritannien sind wir selbst aktiv. In kleineren Märkten arbeiten wir mit lokalen Unternehmer*innen zusammen, die als Franchisenehmer das Vytal-Mehrwegsystem vor Ort aufbauen. Die Vytal App ist derzeit in zehn Sprachen verfügbar und Vytal Behälter können bereits in 15 Ländern genutzt werden.

 

Wie konnte euch das Programm helfen?

Das Scaleup Program ist klasse, weil es den Kontakt zu beeindruckenden Expertinnen und Experten herstellt und die ambitioniertesten Gründerinnen und Gründer aus NRW zusammenbringt. Der Austausch hat viele Insights generiert, Kontakte initiiert und wir durften an tollen Events teilnehmen.

 

Ihr arbeitet bereits mit über 6.500 Partner*innen in Deutschland, Österreich und Frankreich zusammen. Habt ihr einen Rat für Startups, die vor der Expansion ins Ausland stehen?

Für uns hat es sich ausgezahlt, mit Leuten vor Ort zusammenzuarbeiten. Zudem kann ich auf jeden Fall den Tipp geben, den Aufwand nicht zu unterschätzen.

 

Angefangen hat alles mit dem Gründungsstipendium NRW. Was ging euch damals vor dem Pitch durch den Kopf?

Wir wollten auf jeden Fall eine gute Zeit haben. Investierende und Pitch-Jurys sind in der Regel Menschen. Es war uns wichtig, unsere Begeisterung und Leidenschaft für die Sache rüberzubringen und zu zeigen, dass es Spaß macht, mit uns zusammenzuarbeiten bzw. uns zu fördern und zu begleiten.

 

Welchen Rat gebt ihr anderen Gründer*innen für ihren ersten Pitch?

Ich habe mal zwei Jahre als Lehrkraft gearbeitet. Seitdem denke ich bei Pitches häufig, dass niemand im Raum anfangen wird, Stühle durch die Gegend zu werfen. Also wird es auf jeden Fall gut. Die Kunst ist aus meiner Sicht, die (persönlich) richtige Mischung aus sehr guter Vorbereitung und spontaner Inspiration zu finden und die Verbindung zum Publikum aufzunehmen.

 

Was hättet ihr gerne vorher gewusst?

Gründen ist ein Marathon und kein Sprint. Ergo: Das Haushalten mit der eigenen Energie ist vom ersten Tag an eine wichtige Fähigkeit.

 

Warum habt ihr euch für Köln als Standort entschieden?

Neben dem persönlichen Bezug sprechen auch die Nähe zu den umliegenden Top-Universitäten und die Bevölkerungsdichte in NRW für Köln.

 

Was schätzt ihr hier? Gibt es etwas, das Köln von anderen Startup-Städten unterscheidet?

In Köln ist es sehr einfach, Leute kennenzulernen. Die Menschen hier sind sehr offen und unprätentiös. Das ist für uns ein entscheidender Faktor beim Recruiting.

 

Inwiefern trägt das familiäre Startup-Ökosystem zu eurem Erfolg bei?

Die gegenseitige Unterstützung unter Gründerinnen und Gründern in Köln ist grandios und über ein bis zwei Ecken bekommt man in Köln eigentlich immer ein gutes Intro zu den Leuten aus dem Ökosystem, die man sprechen möchte.  

 

3 Gründungstipps von Vytal   

  1. Suche dir ein Handlungsfeld für das du dich bis in die Haarspitzen begeisterst.  
  2. Entwickle dein Angebot gemeinsam mit den Nutzenden, bleibe offen und flexibel.
  3. Gründe im Team und baue dir ein wertvolles Netzwerk mit hilfreichen Kontakten auf.

 

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