Bankkredite für Startups: Wie es geht, wann es sinnvoll ist

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In der dritten Folge unserer Expert-Session-Reihe zu Tipps und Tricks für Kölner Startups ging es um eine klassische Finanzierungsform, die auch in Zeiten von Crowdfunding und Business Angels immer noch sehr hilfreich sein kann: Bankkredite – zinsgünstig und gut abgesichert dank der Förderinstitute, die es in Nordrhein-Westfalen (NRW) gibt.

 

Private Ersparnisse, Hilfe von Familie und Freunden, Crowdfunding, Einstieg risikofreudiger Investor*innen – das zusammen bildet oft die finanzielle Basis für Startups in der Frühphase. Klassische Kredite scheuen viele Gründer*innen. „Dabei kann die Bankenfinanzierung oft viel früher gewählt werden als man denkt, und wir haben damit sehr positive Erfahrungen gemacht“, sagt Marion Poschen, Startup-Beraterin bei der Volksbank Köln Bonn eG. Eine Einschätzung, die Jennifer Pelzer vom Gründercenter der Sparkasse KölnBonn bestätigt. Beide informierten die Teilnehmer*innen in der virtuellen Expert Session über die Möglichkeiten, den Unternehmensstart per Kredit (mit)zu finanzieren.

Dass Kredite ohne Beteiligung der Förder- und Sicherungsinstrumente an Startups vergeben werden, ist bei beiden Geldinstituten übrigens die große Ausnahme. Das liegt einfach daran, dass die Banken alleine ohne Extra-Absicherung unmöglich derart gute Konditionen bieten könnten. Die ideale Kombi heißt vereinfacht: Kredit plus Bürgschaft.

 

Drei Pluspunkte der Kreditfinanzierung für Startups:

  1. Einer der wichtigsten Vorzüge der Kreditfinanzierung ist, dass Gründer*innen keine Gesellschaftsanteile abgeben müssen, wie es bei Investorenmodellen meist der Fall ist.

  2. Auch können Businesspläne und damit auch der Finanzbedarf recht flexibel angepasst werden. Denn die Erfahrung zeigt: „Es läuft praktisch nie genau so, wie die Gründerinnen und Gründer es planen“, sagt Marion Poschen.

  3. Ein weiterer Pluspunkt ist, dass eine Kofinanzierung einfacher wird, denn potenzielle Investor*innen reagieren in der Regel positiv darauf, wenn sie sehen, dass schon eine Bank, die per se als weniger risikofreudig gilt, das Vorhaben als vielversprechend bewertet hat.

 

Tipps für Kreditprogramme

 

Grundsätzlich läuft die Kreditvergabe mithilfe von Förderinstituten immer so ab: Von der Hausbank individuell beraten lassen, Businessplan erstellen, Finanzbedarf ermitteln und das richtige Modell auswählen. Hier drei beliebte und oft sehr hilfreiche Kreditprogramme, die die Hausbank vermitteln kann:

 

1. KfW StartGeld für Startups

Über dieses Programm können Investitionen wie auch laufende Kosten finanziert werden. Die Höhe ist auf 125.000 Euro begrenzt und eine fachliche sowie kaufmännische Qualifikation muss nachgewiesen werden, außerdem muss für einen Teil der Summe persönlich gehaftet werden.

Die Vorteile des KfW StartGeld:

  • Der Zinssatz ist attraktiv, liegt derzeit (Stand: Ende Juli 2021) je nach Laufzeit des Kredits zwischen 0,7 und 2,21 Prozent.
  • Es gibt tilgungsfreie Anlaufjahre.
  • Eine Haftungsfreistellung bis zu 80 Prozent der Kreditsumme ist möglich.
  • Bei Gründungen im Team kann jede*r Gründer*in bis zu 125.000 Euro beantragen.

 

2. ERP-Kapital für Finanzierung der Gründung

Mit diesen Mitteln können Investitionen und die Erstausstattung von Material- und Warenlagern finanziert werden. Bedingung ist auch hier die fachliche und kaufmännische Qualifikation, und mindestens 15 Prozent Eigenmittel müssen eingesetzt werden.

Die Vorteile des ERP-Kapitals:

  • Lange Laufzeit von 15 Jahren, bis zu 7 tilgungsfreie Anlaufjahre
  • Haftungsfreistellung von 100 Prozent
  • Niedriger Zinssatz, aktuell 0,4 Prozent in den ersten drei Jahren, danach 2,4 Prozent

 

3. NRW.BANK Gründungskredit

Über diesen Kredit können Investition ebenso finanziert werden wie laufende Kosten.

Die Vorteile des NRW.BANK Gründungskredits:

  • Tilgungsfreie Anlaufjahre
  • Zinssatz wird entsprechend dem individuellen Risiko berechnet.

 

Der wichtigste Tipp der Startup-Beraterinnen Marion Poschen und Jennifer Pelzer an alle Gründer*innen ist, frühzeitig auf die Bank zuzugehen und dabei an eines zu denken: „Ihr als Gründer oder Gründerin seid das A und O. Ihr müsst überzeugen, und Ihr müsst Euch auch mit den Zahlen auskennen!“

Die KölnBusiness Wirtschaftsförderung bietet ein umfangreiches Online-Angebot zur Finanzierung für Startups. Bei uns findet Ihr wichtige Infos, Links und auch die richtigen Ansprechpartner*innen.

 

So geht’s in unserer Webcast-Reihe weiter

 

Im vierten und letzten Teil der Reihe geht es am 26. August von 16-17 Uhr um Venture Capital. Wie bei allen anderen Expert Sessions ist auch hier die Teilnahme kostenfrei. Zur Anmeldung geht's hier.

Und so liefen die ersten Sessions am 25. Mai und am 29. Juni

Die wichtigsten Tipps und Tricks unserer Gründungsexpert*innen aus der ersten Session am 25. Mai (Grundlagen) und der zweiten Session am 29. Juni (Fördermittel) könnt Ihr in unserem Magazin nachlesen. Videos von den drei bisherigen Webcasts dieser Reihe findet Ihr in voller Länge auf unserem YouTube-Kanal.


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